Ach ja, ich hatte es ja eher scherzhaft erwähnt, aber jetzt stehen Argumente da... Nur um mal etwas Kontext zu liefern (die Theorie regelrecht zu verteidigen ginge mir selbst etwas zu weit) :
Spanuths Helgoland-Konzept sah so aus, daß es eine Hochkultur völlig innerhalb des Niveaus der nordischen Bronzezeit war, nur mit einem etwas größeren Zentrum, als sonst im Norden bekannt. Von einer ausgedehnten Herrschaft war nie die Rede (auch nicht bei Plato) - es soll lediglich nach der Flutkatastrophe eine ausgedehnte Völkerwanderung gegeben haben. Deren südliches Ende mit dem Angriff auf Ägypten ist solide historisch belegt und unumstritten.
Helgoländische Schriftkultur ist in dem Konzept nicht enthalten (davon abgesehen - wo sind die kretischen oder mykenischen, ja selbst die klassisch griechischen Schriftzeugnisse nördlich der Alpen? Das Argument zieht nicht.) Insgesamt hängt Spanuth sein nördliches Atlantis nicht so hoch, daß es einen breiten Einfluß auf den Mittelmeerraum haben mußte, außer im Bernsteinhandel. Die Kulturdiffusion, die man bei Germanen und Wikingern sieht, hat sich 1500 bis 2000 Jahre später abgespielt, als die Epoche, um die es hier geht.
geographische Bedingungen: die Küstenlinien der Elbmündung um 1200 v.C. bieten uneingeschränkt den passenden Raum für Platos Atlantis. Zwar handelt es sich um eine spekulative Rekonstruktion; aber in diesem Punkt um eine völlig schlüssige und weitgehend unumstrittene.
Wenn Spanuths Theorie Schwächen hat, dann nur die, daß man für konkret belegte Kulturzeugnisse ein Stück weit nach Dänemark rübergehen muß. Und seine Annahme, es seien "germanische" Ringburgstrukturen an der Nordseeküste zu finden, die man mit Atlantis verbinden kann, war natürlich eine Ente. Und daß er glaubte, den Halleyschen Kometen ins Spiel bringen zu müssen, war natürlich ein Desaster.
Ansonsten ist alles bemerkenswert stimmig.
troja hingegen: Zangger hat das Problem, daß er in bekannte Räume, die in zahllosen Punkten gar nicht passen, sein Atlantis hineinzwängen will. "Trojatlantis" fügt sich in die zahlreichen Theorien ein, die erstmal in großem Stil Details aus Plato abschütteln müssen, ehe sie aus dem mageren Rest dubiose Verbindungen konstruieren. Spanuth findet in praktisch jedem kleinen und großen Detail schlüssige Übereinstimmungen.
Kann natürlich trotzdem sein, daß er sich geirrt hat.